Pw

Montag, 21. Oktober 2013

Genau heute vor 14 Jahren...

...war Jonas erste OP. Der Oberarzt in Aachen sagte mir in einem Gespräch Tage später, dass Jonas sehr stark kämpfen würde und dass das der Grund gewesen wäre, warum er diese schwere OP so gut weg gesteckt hätte. Er hätte schon Kinder erlebt, die würden gar nicht kämpfen und denen könne kein Arzt der Welt helfen. Vorhin fiel mir plötzlich dieses Gespräch wieder ein...
 
Das heutige Aufklärungsgespräch hat nicht Dr. Hrska selber durchgeführt, der stand im OP, sodass der leitende Oberarzt das übernommen hat. Im Grunde erklärte er uns auch nur das, was wir schon wussten. Es sieht ganz gut aus, dass die Klappe rekonstruiert werden kann. Garantieren kann er es trotzdem nicht. Wir haben uns jetzt dahingehend geeinigt, dass der Herzchirurg im Fall der Fälle entscheidet, ob eine künstliche oder eine biologische eingesetzt wird, falls die eigene wirklich nicht mehr reparabel sein sollte. Beide haben ihre Vor- und Nachteile. Außerdem wird der Homograft ausgetauscht, der mittlerweile sowohl verkalkt als auch zu klein ist. Jonas fragte den Arzt an dieser Stelle, was denn damit passieren würde und ob er den nicht mal sehen könne nach der OP. Der Arzt meinte, den könne man nicht aufbewahren, weil er in Stücken entnommen würde und auch teilweise in die Pathologie ginge, er versprach aber mit seinem Handy ein Foto davon zu machen. Ich bin wirklich gespannt, ob er daran denkt. Einen Satz von ihm möchte ich noch zitieren: "Sie müssen das so sehen", sagte er, "das Herz freut sich, dem geht es nach der OP besser". Das war so einfach ausgedrückt und irgendwie doch so vielsagend, ich habe das die ganze Zeit im Kopf.
 
Ansonsten war es der erwartete Untersuchungs-Marathon. Halsabstrich, wiegen, messen und Puls bei der Schwester, anschließend sehr ausführlicher Ultraschall des Herzens, es folgte eine allgemeine Untersuchung durch den Stationsarzt, dann wurde Blut abgenommen, dann mussten wir zum EKG, dann zum Herz/Lunge röntgen, danach zum messen der Sättigung, dann Aufklärungsgespräch mit dem Anästhesisten,  anschließend Pieks in den Finger und nochmal Blut abnehmen. Das alles hatten wir um kurz nach 14 Uhr hinter uns und waren dabei gefühlte 100 Mal die Treppen und Gänge dort hoch/runter und entlang gelaufen. Jost freute sich schon, musste er doch noch beruflich nach Augsburg. Ich habe direkt gesagt, er solle sich mal nicht zu früh freuen, erfahrungsgemäß hakt es IMMER an einer Stelle. So war es dann auch, Dr. Hrska stand wie gesagt im OP und der Oberarzt ließ auch ca.  1,5 Stunden auf sich warten. Aufklärungsgespräch mit dem Chirurgen ist aber wichtig und außerdem Pflicht, also warten. Um halb fünf waren wir endlich fertig. Jonas hat den ganzen Weg nach Hause geschlafen, während ich mich von einem Stau zum nächsten gequält habe. Als wir auf der Station so lange auf den Arzt gewartet haben, wäre ich auch fast eingeschlafen. Die Dauerberieselung durch Säuglingsgeschrei und permanentes LaLeLu-Gedudele aus irgendeiner Spieluhr in Verbindung mit nicht vorhandener Frischluft wirkten auf  mich extrem einschläfernd. Ich denke mit Schrecken an die auf mich bzw. auf uns zukommenden endlosen Tage in dieser Umgebung. Andererseits haben wir das Schlimmste hinter uns, wenn wir da erst einmal sind.
 
Um 16 Uhr müssen wir morgen auf der Station sein. Jonas OP ist am Mittwoch die erste, um 9 Uhr.

5 Kommentare:

  1. Moin zusammen,
    schön geschrieben. Also so, dass auch Atmosphäre und euer beiden Stimmung gut ankommen.
    Klingt positiv, wie Jonas da ran geht!
    Kommt gut durch den Tag heute.
    wünscht
    Howiepeter

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Trulla,
    na dann habt Ihr diesen Marathon gestern ja schon mal hinter Euch.
    Ich drücke ganz ganz fest die Daumen für morgen und denke an Euch.
    Haltet die Ohren steif, alles wird gut.
    LG Rita

    AntwortenLöschen
  3. "Wenn alles vorbei ist, freut sich das Herz" - das ist die perfekte Motivation für alles, was noch kommt, liebe Anja. (Ich werde das auch als Motto für mich selbst übernehmen. Danke dir also für diesen Satz!)
    Was diese nun kompliziert gewordene Orga betrifft, könntest du mal deine Krankenkasse nach einer spontan einsetzbaren Haushaltshilfe/Kinderbetreung fragen. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber es könnte durchaus sein, dass dir das zusteht und die Sache einfacher macht.
    Liebe Grüße und *Ohren-steif-halten*
    A.H.

    AntwortenLöschen
  4. Wenn ich jetzt wüsste wer A.H. ist? Ich überlege schon die ganze Zeit...
    Wir bekommen weder Haushaltshilfe noch Kinderbetreuung noch 10 Tage im Jahr pro Kind von der Kasse, weil das nur die gesetzlichen Kassen zahlen. Leider.

    AntwortenLöschen