23.11.1985, kurz nach null Uhr,
irgendeine Kneipe in Mettmann, an deren Namen ich mich nicht
erinnere...der Kellner hat mitbekommen, dass ich 18. Geburtstag habe
und gratuliert mir mit den Worten: „Dann warst Du ja jetzt zwei
Stunden unerlaubt hier“. Kurz danach fängt es an zu schneien,
meine Mutter kommt uns mit dem quietschgelben BMW abholen, rutscht
mehr als sie fährt und ist froh, als sie mich und meine Freunde
heile nach Hause gebracht hat...
So oft ist mir diese Erinnerung die
letzten Tage in den Kopf gekommen. Ein bisschen traurig werde ich
wenn ich daran denke. Und ein bisschen rührselig. Dann gehen meine
Gedanken weiter zu nächstem Dienstag, Jonas 18. Geburtstag. Sicher
für alle Eltern ein besonders Ereignis. Für uns ist es das erst
recht. Gab es doch Zeiten, da wussten wir nicht, ob wir den überhaupt
jemals feiern werden. So anders hatte ich mir alles vorgestellt. Aber
irgendwann, nach endlosem hadern mit dem Schicksal, bin ich zu dem
Ergebnis gekommen, dass es wohl offensichtlich so sein sollte. Dass
eben nicht immer alles glatt läuft, nicht immer so kommt wie man es
sich vorgestellt hat und dass ich das Glück nicht gepachtet habe. Es
gab nämlich Zeiten, in denen ich dachte, mir passiert so etwas
nicht. Wie vermessen.
Letzte Woche waren wir zur
Herzkontrolle in St. Augustin. Jonas wichtigste Frage war, ob er ins
Fitnessstudio gehen darf. Da möchte er sich jetzt mit einem Freund
zusammen anmelden. Nächste Woche Mittwoch beginnt er bei der Messe
zu jobben. Nächstes Jahr möchte er eine Lehre anfangen, am liebsten
Veranstaltungstechnik. Ich finde auch, dass das gut zu ihm passt und
kann mir das sehr gut bei ihm vorstellen.
Gewachsen ist er auch seit der
Ernährungsumstellung, er ist jetzt knapp 1,70 m groß, angeblich
sollen noch 10 cm kommen, wir werden sehen.
Aber nicht nur an meinen 18. Geburtstag
muss ich die letzten Tage sehr viel denken, sondern auch an die
letzten 18 Jahre. Besonders die ersten 9 Wochen in der Klinik in
Aachen. Die Erinnerungen sind plötzlich wieder sehr präsent. Der
19. September 1999, als Jonas geboren wurde, war ein Sonntag mit
strahlendem Sonnenschein. Die seit Jahren gefürchtete Geburt lag
hinter mir. Es ging uns beiden gut, das Abenteuer Kind konnte
beginnen. Ich war bester Dinge. Genau drei Tage lang. Dann begann der
schlimmste Alptraum meines Lebens, den ich bis heute mit mir
rumschleppe. Man lernt damit zu leben, aber man bekommt es nicht aus
dem Kopf. Niemals. Die Angst geht nicht mehr und wird mir ein
dauerhafter Wegbegleiter bleiben.
Holprig war der Weg, 18 Jahre lang.
Jonas ist kein Kind, das seinen Weg gerade geht. Man muss lernen die
Richtung zu ändern, immer wieder und oft unerwartet. Nicht alle
konnten immer unsere Entscheidungen nachvollziehen, aber ich habe
gelernt, auf mein Bauchgefühl zu hören. Letztendlich lag ich damit
immer richtig. Wir haben eine tolle Familie und einen tollen
Freundeskreis, die uns oft eine große Stütze waren und hoffentlich
auch weiter sind. Spontan möchte ich mich ganz besonders bei Udo und
Sabine bedanken und bei Frau Becher, der weltbesten Klassenlehrerin.
Alle drei werden wissen warum :).
Zur Zeit könnte ich Jonas, voll in der
Pubertät, oft verfluchen. Zu Hause nervt er Jost und mich gerne bis
zum äußersten. Ist er jedoch woanders, sind immer alle Leute voll des
Lobes über ihn. Letztens hat eine Frau hier ein paar Sachen
abgeholt, die ich übers Internet verkauft hatte. Ich war ungeplant
nicht zu Hause als sie kam, ein paar Stunden später schrieb sie mir
eine email, sie wollte mir nur kurz sagen, was ich für einen netten,
hilfsbereiten Sohn hätte, das wäre ja heute nicht mehr
selbstverständlich und müsse auch mal gesagt werden. Ein Beispiel
von vielen, ich weiß nicht wie er das immer schafft.
Wer am Dienstag dran denkt kann gerne
auf Jonas anstoßen. Auf das was er schon geschafft hat.
Auf seine nicht immer leichte
Vergangenheit.Und auf seine Zukunft.
Schöner Text!
AntwortenLöschenWie schön, dass Du einen so tollen Sohn hast. Sei stolz auf ihn und er wird seinen Weg machen. Der zurückliegenden Jahre waren sicher oft schwer zu meistern, aber ihr habt das zusammen geschafft, das wir ein Fest am Dienstag. Ich werde an Euch denken.�� l♥️Lichte Grüße von Rosey
AntwortenLöschenSo schön einfühlsam und liebevoll getextet. Alles Gute, nicht nur für Jonas, sondern die ganze Familie! :-) Christiane / Chris-online
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