Gestern schon sagte Jonas, Dr. Horke hätte gesagt er könne evtl. am Wochenende nach Hause, plus/minus. Ich dachte mir so naja, das heißt ja vielleicht Montag. Heute hieß es dann, er würde morgen entlassen. War für uns ziemlich plötzlich und ziemlich überraschend. Hätte ich das gewusst, wäre ich gestern nicht nach Hause gefahren, außerdem habe ich für Samstag ein Zugticket, das jetzt verfällt. Die Wohnung haben wir bis Montag gemietet und hatten dem Vermieter schon anvisiert, dass wir evtl. bis Mittwoch oder Donnerstag verlängern. Es hieß immer als Faustregel, ab dem Tag auf Normalstation noch 10 Tage. Letztendlich ist die OP ja genau heute erst eine Woche her, damit hatten wir gar nicht gerechnet. Jost musste jetzt also alles was noch zu klären war alleine machen. Was ging habe ich dann noch telefonisch geklärt heute. Am 23.7. geht er in eine ambulante Reha in Düsseldorf. Wir haben alle beschlossen, dass das besser ist als eine stationäre. Er soll sich auf jeden Fall schonen, besonders auf seinen Brustkorb achtgeben. Es dauert mind. 2 Monate, bis das einigermaßen wieder verheilt und zusammengewachsen ist. Irgendwann die Woche soll er dann zu Dr. Kahl zum Fäden ziehen. Als ich zu Jonas sagte: "Jetzt muss ich dem ganzen Besuch für's Wochenende absagen", erwiderte er: "Die waren eben zu langsam", daraufhin sagte ich: "Oder Du zu schnell" und er antwortete: "Das war mein Ziel". Das fand ich schon sehr schön muss ich sagen.
Natürlich freuen wir uns sehr, dass jetzt alles so schnell ging. Für mich ist das irgendwie so surreal, ich kann das alles noch gar nicht glauben, es gab ja überhaupt keine Komplikationen, nachdem was wir alles erlebt haben, gerade damals in Aachen, kommt einem das so unwirklich vor und man denkt immer, es kommt noch irgendwas schlimmes. So ganz kann ich das leider nicht ablegen.
Wir waren ja letztes Jahr schon für drei Tage in Hannover, zu dem Herzkatheder und den Voruntersuchungen, um festzustellen ob Jonas geeignet ist für die TE-Klappen. Krankenhäuser und gerade große Kliniken so hautnah zu erleben bedeutet für mich immer, dass Erinnerungen wieder hochkommen, die ich eigentlich lieber verdränge. Aber damit werde ich leben müssen. Letztes Jahr jedenfalls habe ich das ständige "tatütata" und ganz besonders den wirklich gefühlt permanent fliegenden Hubschrauber als sehr schlimm empfunden. Ich bekam jedes Mal eine Gänsehaut, alles zog sich zusammen und ich dachte immer darüber nach, was wohl wieder schreckliches passiert sein mag, welchen armen Menschen es erwischt hat und welches Schicksal da gerade wieder im Anflug ist. Nach Jonas OP und der guten Nachricht, dass alles toll verlaufen ist, war das plötzlich ganz anders. Das schlimme Gefühl war weg und statt der Gänsehaut dachte ich "Was ein Glück für denjenigen, dass es diesen Hubschrauber gibt, dass er hier hingebracht wird und vielleicht wird ihm hier ja so toll geholfen wie Jonas". Es war gar nicht mehr beängstigend, ich empfand das plötzlich ganz anders. Irgendwie ist es wohl das, was gemeint ist, mit dem Satz "Alles eine Sache der Sichtweise". So, das musste ich noch loswerden.
Morgen um 8 ist nochmal Visite, Jost wird dann auch dabei sein, ich denke und hoffe aber, dass dann nichts mehr gegen die geplante Entlassung sprechen wird.
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