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Donnerstag, 11. Juli 2019

7. Tag post-OP

Gestern schon sagte Jonas, Dr. Horke hätte gesagt er könne evtl. am Wochenende nach Hause, plus/minus. Ich dachte mir so naja, das heißt ja vielleicht Montag. Heute hieß es dann, er würde morgen entlassen. War für uns ziemlich plötzlich und ziemlich überraschend. Hätte ich das gewusst, wäre ich gestern nicht nach Hause gefahren, außerdem habe ich für Samstag ein Zugticket, das jetzt verfällt. Die Wohnung haben wir bis Montag gemietet und hatten dem Vermieter schon anvisiert, dass wir evtl. bis Mittwoch oder Donnerstag verlängern. Es hieß immer als Faustregel, ab dem Tag auf Normalstation noch 10 Tage. Letztendlich ist die OP ja genau heute erst eine Woche her, damit hatten wir gar nicht gerechnet. Jost musste jetzt also alles was noch zu klären war alleine machen. Was ging habe ich dann noch telefonisch geklärt heute. Am 23.7. geht er in eine ambulante Reha in Düsseldorf. Wir haben alle beschlossen, dass das besser ist als eine stationäre. Er soll sich auf jeden Fall schonen, besonders auf seinen Brustkorb achtgeben. Es dauert mind. 2 Monate, bis das einigermaßen wieder verheilt und zusammengewachsen ist. Irgendwann die Woche soll er dann zu Dr. Kahl zum Fäden ziehen. Als ich zu Jonas sagte: "Jetzt muss ich dem ganzen Besuch für's Wochenende absagen", erwiderte er: "Die waren eben zu langsam", daraufhin sagte ich: "Oder Du zu schnell" und er antwortete: "Das war mein Ziel". Das fand ich schon sehr schön muss ich sagen.


Natürlich freuen wir uns sehr, dass jetzt alles so schnell ging. Für mich ist das irgendwie so surreal, ich kann das alles noch gar nicht glauben, es gab ja überhaupt keine Komplikationen, nachdem was wir alles erlebt haben, gerade damals in Aachen, kommt einem das so unwirklich vor und man denkt immer, es kommt noch irgendwas schlimmes. So ganz kann ich das leider nicht ablegen.


Wir waren ja  letztes Jahr schon für drei Tage in Hannover, zu dem Herzkatheder und den Voruntersuchungen, um festzustellen ob Jonas geeignet ist für die TE-Klappen. Krankenhäuser und gerade große Kliniken so hautnah zu erleben bedeutet für mich immer, dass Erinnerungen wieder hochkommen, die ich eigentlich lieber verdränge. Aber damit werde ich leben müssen. Letztes Jahr jedenfalls habe ich das ständige "tatütata" und ganz besonders den wirklich gefühlt permanent fliegenden Hubschrauber als sehr schlimm empfunden. Ich bekam jedes Mal eine Gänsehaut, alles zog sich zusammen und ich dachte immer darüber nach, was wohl wieder schreckliches passiert sein mag, welchen armen Menschen es erwischt hat und welches Schicksal da gerade wieder im Anflug ist. Nach Jonas OP und der guten Nachricht, dass alles toll verlaufen ist, war das plötzlich ganz anders. Das schlimme Gefühl war weg und statt der Gänsehaut dachte ich "Was ein Glück für denjenigen, dass es diesen Hubschrauber gibt, dass er hier hingebracht wird und vielleicht wird ihm hier ja so toll geholfen wie Jonas". Es war gar nicht mehr beängstigend, ich empfand das plötzlich ganz anders. Irgendwie ist es wohl das, was gemeint ist, mit dem Satz "Alles eine Sache der Sichtweise". So, das musste ich noch loswerden.


Morgen um 8 ist nochmal Visite, Jost wird dann auch dabei sein, ich denke und hoffe aber, dass dann nichts mehr gegen die geplante Entlassung sprechen wird.

Mittwoch, 10. Juli 2019

6. Tag post-OP


Heute wurde wie vorausgesagt die letzte dicke Drainage gezogen. Außerdem der externe Herzschrittmacher und der Zugang am Hals. Er hat jetzt nur noch einen einzigen Zugang am Arm. Die Physiotherapeutin wurde routinemäßig geschickt, hat aber nach einem kurzen Gespräch mit uns beschlossen, dass Jonas sie gar nicht braucht. Wir waren auch heute eine Runde im Park spazieren, war gar kein Problem. Vorhin kam ein Foto von Jonas, heute Abend würde es Mett geben und er hätte direkt mal die dreifache Menge bestellt 🙄. 


Ich bin jetzt zu Hause, Jost und Luis sind jetzt da. Samstag fahre ich wieder hoch.

Dienstag, 9. Juli 2019

5. Tag post-OP

Heute wurde Jonas endlich wieder auf die Normalstation verlegt. Für ihn sowie für mich eine Erleichterung. Hier ticken die Uhren gemütlicher, keine Hektik ist zu verspüren, die Station ist hell und freundlich, die Zimmer großzügig, und auch für die Begleitpersonen/Besucher steht Tee, Kaffee und Wasser zur Verfügung. Morgen wird auch endlich die letzte dicke Drainage gezogen.
 
Dr. Horke habe ich heute auch endlich persönlich kennengelernt und konnte die ein oder andere Frage schonmal loswerden. Vor der OP wurde uns gesagt, dass Jonas die ersten drei Monate Marcumar nehmen muss, danach nicht mehr. Dr. Horke meinte heute evtl. würde auch Aspirin reichen. Er erzählte nochmal, dass es nicht so einfach war mit den beiden Klappen, er aber jetzt sehr zufrieden wäre und Jonas würde das alles toll machen.
 
Morgen Nachmittag fahre ich mit dem Zug nach Hause, Samstag Abend komme ich zurück. Jost und Luis werden ab morgen Abend hier sein und Samstag kommen Udo und Sabine zu Besuch. Sonntag dann noch Birgit und Werner. Volles Programm :).

Montag, 8. Juli 2019

4. Tag post-OP

Heute wurde wieder eine Drainage gezogen das heißt, neben diversen anderen kleineren Kabeln hat er jetzt nur noch einen dieser dicken Schläuche in der Wunde. Dieser kommt die nächsten ein bis zwei Tage raus. Jonas hat den Schwestern gesagt, dass er keine Schmerzmittel mehr haben möchte, er möchte es ohne probieren. Außerdem will er nur laufen laufen laufen. Er mag nicht mehr im Bett liegen, ihm fällt die Decke auf den Kopf. Heute sind wir dann zuerst runter ins Café, hatten gerade Cola, Kaffee + Kuchen für mich vor uns, da rief die Station schon wieder an wir müssten kommen, er müsse zum röntgen. Danach wollte er dann wieder los, am besten auch nach draußen. Leider muss er aber immer alles mögliche mitschleppen. ZB. diese große Kiste, die an der Drainage hängt, mit dem ganzen Wundsekret, den externen Schrittmacher und diesen Medikamentenspender mit Heparin. Wir haben das ganze Zeug und die ganzen Kabel auf den Rollator gepackt und sind los marschiert. Er wollte sogar nach draußen in den Park, was ich eigentlich viel zu kalt fand, deswegen waren wir da nur kurz.
 
Heute war ein Notfall auf der Station, ich kam gerade den Flur entlang, da schrie die Schwester auf einmal, schmiss ihren Müsliriegel durch die Luft und rannte dann los. Es folgten zahlreiche Ärzte und Schwestern mit diversen Geräten. Da wird einem schon ganz anders wenn man sowas sieht. Überhaupt ist es, zumindest für mich, nicht so leicht zu ertragen den ganzen Tag irgendwelche Körperflüssigkeiten und überall Kranke und Verletzte zu sehen. Ich bin da ja leider super empfindlich und muss wirklich mehrmals am Tag die Augen zumachen, weggucken, durchatmen, schlucken. Das ist wirklich heftig was man da mitbekommt und teilweise auch zu hören bekommt.
 
Der Notfall musste dann jedenfalls in Jonas Zimmer, weil das dort so eine Art Intensivbett war, was Jonas eigentlich gar nicht mehr braucht. Wir hatten ca. 2 Minuten zum packen. Die Station, auf der er anfangs war und unbedingt wieder hin möchte, war leider heute belegt, er hofft jetzt morgen endlich wieder dort hinzukommen.
 
Da ich heute Abend mit Lea zum essen verabredet war, war ich ausnahmsweise mal früher weg. Natürlich kamen ausgerechnet heute, kaum dass ich weg war, Dr. Horke und Dr. Haverich zu Jonas. Das ist der verantwortliche Herzchirurg und der Leiter der Herzklinik. Ich habe mich echt geärgert, weil ich sie jetzt schon zum zweiten Mal verpasst habe und sehr gerne einmal kennenlernen würde. Bisher war der Kontakt ja nur telefonisch. Ich hoffe jetzt, dass sie morgen noch einmal kommen.

Sonntag, 7. Juli 2019

3. Tag post-OP

Heute wurden der Blasenkatheder gezogen und der Sauerstoffschlauch, den er noch in der Nase hatte. Das war schon mal wieder eine ziemliche Erleichterung für ihn. Ich fand auch, dass er heute schon wesentlich besser wirkte als gestern, was er dann auch selber bestätigt hat. Einer der Ärzte bekam von ihm erst mal eine kurze Beratung in Richtung Mode aufgedrängt, in dem speziellen Fall ging es um die Schuhe des Arztes. Jonas fand, dass es bestimmte Sneaker gibt, die ihm wesentlich besser stehen würden und ließ den Arzt das auch wissen. Der meinte, er würde da nochmal drauf zurückkommen ;).

Unterm Strich finde ich alle (bis auf die Chefarztsekretärin) super herzlich, freundlich und hilfsbereit. Wenn man mal überlegt wie viel Arbeit die Ärzte, Schwestern und Pfleger haben finde ich es wirklich klasse, wie positiv die alle wirken. Ich glaube ich spreche auch für Jonas wenn ich sage, wie gut wir uns hier aufgehoben fühlen.

Seit heute hat er auch sein Handy wieder. Vorhin hat die Schwester ihm die Haare gewaschen, er meinte nämlich er sähe ja aus als wäre er seit 5 Tagen im Krankenhaus und das wäre schrecklich. Jetzt geht es wieder, morgen wird er auf die Normalstation kommen denke ich. Er will unbedingt nach Hause, aber das wird bestimmt noch etwas dauern.

Samstag, 6. Juli 2019

2. Tag post-OP

Heute gibt es nicht viel neues zu berichten. Jonas ist noch auf der "Zwischenstation" und ich denke auch, dass er mindestens bis Montag da noch bleibt. Als ich heute kam hatte man gerade den zweiten von vier dicken Drainage-Schläuchen, die direkt unten an dem Schnitt sind, gezogen. Die verbliebenen zwei sind wohl ziemlich schmerzhaft. Außerdem hat er noch einen Blasenkatheder, Sauerstoff an der Nase und einen Hauptzugang am Hals. Alles natürlich teils unangenehm und teils auch schmerzhaft. Entsprechend schlecht war er drauf. Ich hörte eigentlich die ganze Zeit nur "Ich habe Schmerzen, ich will nach Hause, ist das eine Scheiße...". Als Jost kam war es nicht anders. Außerdem hatte er zu wenig getrunken, sollte sitzen und wollte nicht, sollte essen und wollte nicht, sollte in so ein Ding pusten und wollte nicht ect. Mir tat natürlich Jonas am meisten leid, aber eine Portion Mitleid hatte ich auch für die Schwester über.
 
Morgen fährt Jost mit Luis noch für so zwei Stunden hin, bevor die beiden dann mit Joschi nach Hause fahren und ich dann hier bis Mittwoch alleine bin. Dann tauschen wir und ich fahre bis Sonntag nach Hause. Morgen Nachmittag fahre ich wieder zu Jonas und werde abends hier berichten.

Freitag, 5. Juli 2019

Zwischenstation

So, gerade waren wir nochmal bei Jonas. Er wurde gegen 19 Uhr auf die sogenannte Intermediate Care (IMC) Abteilung verlegt, das ist eine Abteilung zwischen Intensivstation und Normalstation. Er ist wach und kommandiert schon die Schwestern, eine seiner liebsten Beschäftigungen (ich sehe Udo und Sabine förmlich grinsen). Er hat noch einige Drainagen und Zugänge am/im Körper, hat Schmerzen und sieht blass aus um die Nase. Aber ansonsten fand ich nicht, dass er sehr schlecht aussah. Morgen ab 12 Uhr dürfen wir wieder zu ihm.