Wir waren eben da um ganz kurz zu gucken und mit der zuständigen Ärztin zu sprechen. Im Erdgeschoss unten haben wir noch den Oberarzt Dr. Avsar getroffen, der gestern auch mit uns das Aufklärungsgespräch geführt hat. Super netter Typ, der immer wieder verschmitzt grinste während des Gesprächs, besonders wenn Jonas etwas sagte. Gerade unten im Flur sagte er zu uns, dass ihn das sehr berührt habe, dass Jonas wichtigste Frage war, ob er mit den neuen Klappen Achterbahnfahren darf. Er fand das so klasse, so authentisch, einfach berührend wie er sagte.
Auf der Intensivstation wollte man uns auf den Anblick vorbereiten, das war aber nicht nötig, wir haben das ja schon zwei Mal erlebt und es kann niemals schlimmer werden als den 9 Wochen alten Säugling voller Schläuche und Kabel in dem kleinen Bett zu sehen, das Bild bekomme ich sowieso nie mehr aus dem Kopf. Die Ärztin war jedenfalls sehr zufrieden mit ihm, noch ist er intubiert, eine kleine Undichtigkeit der Aortenklappe ist noch da, aber das wäre nicht besorgniserregend. Insgesamt sähe alles sehr gut aus. Morgen gegen 10 Uhr soll ich anrufen und danach fahre ich hin. Luis möchte auch unbedingt zu seinem Bruder. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, schön ist das nicht anzusehen aber evtl., wenn es morgen Nachmittag schon ein paar Schläuche und Kabel weniger sind, fährt Jost mit ihm hin.
Zurzeit komme ich kaum nach alle guten Wünsche und Fragen, die mich hauptsächlich per WhatsApp erreichen, zu beantworten. Nach dem Anruf habe ich zunächst einmal nur unendliche Erleichterung verspürt. Irgendwie habe ich mich aber nicht so richtig getraut, zu freuen. Warum wurde mir eben erst klar. Auf einmal fiel mir der Grund ein. Ich habe schon einmal so eine tolle Nachricht bekommen, vor vielen Jahren in Aachen. Jonas war 5 Wochen alt, hatte seinen ersten Herzkatheter hinter sich, das Ergebnis war, dass der Herzfehler gut zu operieren sei. Das allererste mal hatte ich es gewagt, aufzuatmen und mich vorsichtig zu freuen. Wir fuhren nach Hause, das erste mal seit Wochen konnte ich einschlafen. Bis nachts das Telefon schellte. Das Klinikum war dran, wir müssten kommen, es ginge Jonas sehr schlecht, er hatte eine Blutvergiftung, eine Not-OP stand im Raum....es war ganz schrecklich. Jetzt merke ich wieder, dass ich das alles nur irgendwie in den Hintergrund geschoben habe, diese ganzen schrecklichen Erlebnisse, wirklich verarbeitet habe ich das nie. Ich traue kaum mich zu freuen, aus Angst danach wieder so runtergezogen zu werden. Lieber freue ich mich leise, vorsichtig, zurückhaltend. Das ist wie es ist, es ist mein Weg mit allem umzugehen, einfach mein Bauchgefühl, aber das ist OK so.
Ich bin unendlich dankbar. Besonders natürlich den Ärzten, die solch ein Wunder heute vollbracht haben, so viel Engagement, man kann es nicht in Worte fassen. Dann möchte ich Verona danken, die durch Ihren Einsatz für Organspende und durch ihre guten Kontakte wahrscheinlich dazu beigetragen hat, dass es mit den beiden TE-Klappen jetzt doch letztendlich so schnell geklappt hat. Das werde ich nie vergessen.
Ich werde in den nächsten Tagen weiterhin jeden Abend berichten, wie es bei Jonas weitergeht. Allen ganz herzlichen Dank fürs Daumen drücken und mitzittern. Das war so toll!!
Wie gut zu lesen, dass Jonas die OP gut überstanden hat und dass die Prognosen mit den neuen TE-Klappen so positiv sind!!!
AntwortenLöschenGestern Abend habe ich mich durch Deine Einträge hier seit 2013 gelesen. Damals habe ich sehr viel an euch gedacht und die Geschehnisse hier intensiv mit verfolgt. Nachdem die OP dann gut überstanden war und ihr euren Alltag wieder hattet, habe ich hier nicht mehr reingeguckt.
Als Leser kann ich selbst entscheiden, wie viel ich zulassen will, wann es genug ist.
Gestern Abend hatte ich sehr klar vor Augen, dass es für euch „einfach“ weiter gegangen ist – weiter mit den Untersuchungen, mit den Einschränkungen, den Sorgen, weiter mit der Aussicht auf weitere Eingriffe… Danke, dass Du all das hier aufschreibst und mir als Leser damit gut portionierte Einblicke in diese krasse Lebensgeschichte gewährst. Was für euch die Realität ist, ist für den Leser „der Stoff, aus dem die bewegendsten Bücher geschrieben werden.“
Danke auch dem Rest der Familie, dass ihr eure Frau und Mutter das schreiben lasst.
Es beeindruckt mich zu lesen, wie Du Anja mit dem Schicksal ringst und immer wieder einen Umgang damit findest. Es ist nicht nur Jonas Schicksal, sondern auch Dein eigenes und das Deiner ganzen Familie. Nicht nur Jonas ist ein besonderer Mensch, Luis ist es auch. Ohne Jost zu kennen, weiß ich dass der auch besonders ist (Jost mit einem o – tse;). Und weil ich Dich ein wenig kenne, weiß ich durchaus, was für eine besondere Frau DU bist;). Ihr als Familie seid besonders!
Soweit ich es beurteilen kann, seid ihr auf einem guten Weg. Es ermutigt mich für meine eigene Lebensgeschichte „dran“ zu bleiben, weiter zu ringen und vor allen Dingen dankbar zu sein und das Gute zu genießen.
In ein paar Wochen, wenn die Reha durch ist und Du von Jonas erster Achterbahnfahrt geschrieben hast, werde ich hier wahrscheinlich nicht mehr lesen. Aber sei gewiss: Teil eurer Geschichte zu sein – und sei es als diejenige, die nur hinter dem Vorhang blinzt;) macht nachhaltig etwas mit mir.
Alles Gute weiterhin!!!
Femke